Der Inbegriff von Sommer – was ist das? Badesee, Eisbecher, Grillduft, Pfirsiche oder Erdbeeren? Ja, das alles. Auch gern gleichzeitig. Und unbedingt: Tomaten! Am Strauch in der Sonne gereifte, frische, saftige, süß-säuerliche Tomaten. Diese dann im Salat, auf dem Brot, mit Mozzarisella und Balsamico, als Tomatensauce oder Tomatenmark. Aber – Stopp – fangen wir doch mal vorne an.

 

Woher kommt die Tomate?

Dass die Tomate eine ganz besonders sonnenhungrige Gemüsepflanze ist, wissen wohl die meisten. Aber ich wette, auf die Frage „Woher kommt die Tomate?“, würde man nicht selten die Antwort „Aus Italien.“ bekommen. Dabei ist die Tomate eigentlich noch gar nicht sooo lange auf dem europäischen Kontinent anzutreffen. Im 16. Jahrhundert wurden sie mit den Seefahrern nämlich erstmals aus Peru und Ecuador, also dem südamerikanischen Kontinent, hierher verschifft. Auch der Name „Tomate“ stammt vom ursprünglichen indigenen Namen „Tumatl“ her.

Botanisch

Strenggenommen gehört die Tomate gar nicht zu den Gemüsepflanzen, sondern zu den Beerensträuchern. Die Wildform und auch die kultivierten Sorten bilden große Sträucher, so man sie lässt. Die Stengel dieser Sträucher sind eher schlaff, weshalb sie meist hochgebunden werden müssen. An den Stengeln stehen wechselständig gestielte, 1-2fach gefiederte Blätter, die Blüten sind gelb und bilden klassischerweise kleine rote Beeren. Heutzutage gibt es natürlich unzählige Sorten mit Früchten verschiedenster Färbung, Form und Größe.

Der botanische Name der Tomate – Solanum lycopersicum – verrät, dass diese zu den Nachtschattengewächsen, den Solanaceae gehört. Aus diesem Grund sind alle grünen Teile der Pflanze, also Stengel, Blätter, Blütenblätter sowie die unreife Frucht, als giftig anzusehen. Genau wie die anderen Vertreter dieser Familie, wie zum Beispiel Physalis, Kartoffel, Aubergine oder Paprika, enthalten diese Teile der Tomate nämlich das leicht giftige Alkaloid Solanin, welches zellschädigend wirkt und bei erhöhter Aufnahme zu Erbrechen, Durchfall, Halluzinationen bis hin zu Schädigungen des Nervensystems und verschiedener Organe führen kann.

Nachgewiesen und danach benannt wurde das Solanin übrigens erstmals im Schwarzen Nachtschatten (Solanum nigrum), der eine ganz klassische Hexenpflanze ist. Er ist Bestandteil der Hexensalben oder Flugsalben und führt u.a. mit zu deren halluzinogenen Wirkung.

Anbau

Heutzutage gibt es zahlreiche Tomatensorten, für verschiedenste Anbaubedingungen. Auf einen Garten oder gar ein Gewächshaus bist du heute nicht mehr angewiesen. Hohe Erträge lassen sich erzielen an sonnigen, geschützten Standorten, die regelmäßig gedüngt werden. Tomaten sind ausgesprochen nährstoffbedürftig. Super bietet sich Brennnesseljauche zum Düngen an. Tomaten gedeihen aber auch besonders gut, wenn du sie mit ihrem eigenen Schnittgut düngst. Also einfach abgeschnittene Pflanzenteile zerkleinern und um den Wurzelbereich herum locker in den Boden einarbeiten. Wichtig ist auch das regelmäßige und ausgiebige Wässern. Interessanterweise mögen es Tomaten gern, wenn man sie immer wieder an der gleichen Stelle auspflanzt.

Die jungen Tomatenpflänzchen ziehe ich im Haus vor. Wenn ich diese dann im Sommer nach draußen pflanze, setze ich sie immer etwas tiefer, als sie im Topf standen. Dies aktiviert die Wurzelbildung, so dass die Pflanze später stabiler im Boden verankert ist. Um einer Blattfäule vorzubeugen, entferne ich die Blätter, die sich in Bodennähe befinden und beim Gießen unweigerlich nass und schmutzig würden. Dies sollte man nämlich möglichst vermeiden, um Krankheiten vorzubeugen.

Die Bio-Garten-Päpstin Marie-Luise Kreuter hat einige Empfehlungen für gute und schlechte Beet-Nachbarn. Gut eignen sich Petersilie und Sellerie. Aber auch Basilikum wird immer wieder empfohlen. Schlecht eignen sich Kartoffeln, Erbsen und Fenchel. Auch Kapuzinerkresse bietet sich hervorragend als Nachbar für verschiedene Gemüsepflanzen an, da es die Blattläuse fernhält bzw. auf sich zieht.

Den meisten Tomatenpflanzen ist gemein, dass sie hochgebunden oder gestützt werden müssen. Am besten haben sich für mich hier die gewundenen Pflanzstäbe aus Metall bewährt, um den man die Stängel einfach herumwindet.

Während die Pflanzen wächst, muss du sie regelmäßig auf Seitentriebe kontrollieren. Diese solltest du ausbrechen, um die Kraft der Pflanze in einem Haupttrieb zu bündeln. Dieses Verfahren nennt man Ausgeizen.

Verwendung

Sobald die Tomaten sich knallig rot, gelb oder orange färben (natürlich gibt es noch andere Farbmuster, sogar grüne Sorten) kannst du sie vom Strauch ernten. Ganz reife Tomaten fallen einem bei Berührung schon beinahe von allein in die Hand. Die Tomaten lassen sich nun vielfältig verwenden. Entweder ganz frisch und roh im Salat oder zum Snacken oder du sorgst für die Wintermonate vor, indem du die Tomaten zu Passata oder Tomatenmark einkochst. Besonders sehr fleischige Sorten oder Flaschentomaten bieten sich hierfür an. Beliebt sind auch Chutneys aus Tomaten oder getrocknete Tomaten.

Das Einkochen von Tomatensauce ist denkbar einfach. Zunächst halbierst du die reifen Tomaten und trocknest diese im Backofen, bis das Fruchtwasser zum großen Teil verdunstet ist. Diese halb getrockneten Tomaten pürierst du nun und lässt das Püree noch einmal im Topf etwas weiter einkochen. An dieser Stelle kannst du bei Belieben bereits Kräuter wie Rosmarin oder Thymian oder auch Knoblauch dazugeben. Wenn sich die Konsistenz merklich verdickt hat, füllst du die Sauce in abgekochte Vorratsgläser ab. Möchtest du ein Tomatenmark herstellen, lässt du das Püree einfach bis zur gewünschten Konsistenz einkochen.

Tipp: Der Sommer ist vorbei, die Temperaturen sinken nachts merkbar, aber du konntest noch nicht alle Tomaten ernten? Kein Problem. Du kannst ohne Probleme auch die unreifen, grünen Tomaten ernten. Schlage diese dann in Zeitungspapier ein und lagere sie am besten gemeinsam mit Äpfeln in einer dunklen Schublade. Die Tomaten reifen nach, die Äpfel unterstützen diesen Prozess durch die Absonderung des Reifegases Etylen.

 

Gesundheitliche Vorteile

Die Tomate ist ganz besonders interessant für alle Menschen, die eine Prostata besitzen. Denn Tomaten sind besonders reich an dem Carotinoid Lycopin. Lycopin ist ein roter Farbstoff, der auch als Lebensmittelfarbstoff eingesetzt wird. Dieses konnte in verschiedenen Studien als stark antioxidativ und insbesondere antikanzerogen auf Prostatakrebs eingestuft werden. Ganz besonders zu Speisen mit Tomatensauce oder Tomatenmark und einem Schuss Olivenöl sollte man deshalb beim Risiko für Prostatakrebs nicht Nein sagen. Der Gehalt von Lycopin steigt durch Erhitzen an und Fette erhöhen dessen Aufnahme zusätzlich.

Lycopin soll außerdem auch antidepressiv wirken, Carotinoide allgemein immunmodulierend und cholesterinsenkend.

Tomaten enthalten zusätzlich nennenswerte Mengen an Kalium, Zink, Magnesium und Phosphat sowie Vitamin C. Sie sind kalorienarm und enthalten wenig Kohlenhydrate.

 

Was denkst du?

Hast du Tipps zum Anbau von Tomaten, Sortenempfehlungen oder ein tolles Rezept, dass du mit uns teilen möchtest? Dann schreib mir gern, ich freue mich!

Wissensdurst?

Du interessierst dich für Pflanzen? Dann schau doch auch mal bei den anderen Pflanzen-Portraits rein. Oder hast du jetzt tatsächlich ganz einfach nur Appetit auf Tomaten? Dann sind die Bruschetta-Rezepte vielleicht etwas für dich: klassisch mit Vollkornbrot und Tomaten oder als Salat.

 

Referenzen:

Der Biogarten; Kreuter ML; 21. Auflage; 2001, BLV Verlagsgesellschaft mbH, München

Pareys Blumenbuch; Fitter R, Fitter, A, Blamey M; 2.Auflage; 1986, Parey, Berlin

Die Nährwerttabelle; Heseker B, Heseker H; 4. Aktualisierte Auflage; 2016/2017, Neuer Umschau Buchverlag

Handbuch Nährstoffe; Burgerstein; 12.Auflage; 2012, TRIAS Verlag, Stuttgart

How not to die; Greger M; 2018, Pan Books, London

A Review of Epidemiologic Studies of Tomatoes, Lycopene, and Prostate Cancer;  Giovannucci E;  https://doi.org/10.1177/153537020222701003 

Lycopene: Antioxidant and Biological Effects and its Bioavailability in the Human; Sies H, Stahl W; https://doi.org/10.3181/00379727-218-44285a 

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