Wenn die Tage merklich kürzer werden und das Jahr in die dunkle Zeit übergeht, lässt sich mein Appetit auf herzhafte, nährende und, ja, leider auch fettige Speisen kaum noch unterdrücken. Und warum auch unterdrücken, natürlich hat dieser Appetit ja seinen physiologischen Grund. Der Körper braucht Reserven für den langen Winter und das Gemüt möchte das fehlende Tageslicht mit seelenwärmenden Speisen ausgleichen. Sich dem Appetit hinzugeben bedeutet aber nicht automatisch, dass die Speisen nicht auch voll mit gesunden Inhaltsstoffen sein können. Denn auch die Herbstflora bietet uns noch allerlei Wildkräuter mit Superfood-Potential, die sich ganz einfach in zum Beispiel leckere wilde Grießschnitten verpacken lassen.

 

Um also nach Lust und Laune Soulfood schlemmen zu können, achte ich darauf, die Gerichte möglichst ausgewogen und voller Pflanzenpower zu gestalten. Was funktioniert da besser, als noch mal aus dem Vollen der noch wachsenden Wildkräuter zu schöpfen. Auch im Herbst finden wir verschiedenste Pflanzen wie Schafgarbe, verschiedene Nesselsorten, Brennnesseln, Fingerkräuter, Labkräuter, Gundermann, Wegeriche und auch noch diverse essbare Blüten. Tipps zum Sammeln bekommst du im Artikel zur Wildkräuterernte und im Artikel zu essbaren Blüten.

Für die wilden Grießschnitten habe ich außerdem noch einige Brennnesselsamen geerntet. Diese Nüsschen, die Samen der weiblichen Pflanzen, kann man jetzt noch frisch finden, wenn man sich nicht eh schon einen Vorrat für den Winter angelegt hat. Brennnesselsamen sind wie die Pflanze sehr proteinreich, reich an Calcium und Eisen. Tipps zum Sammeln von Brennnesseln erhältst du im Artikel Brennesseln sammeln.

Ganz typisch für den Herbst sind die Vit C-reichen Hagebutten, die man für vielerlei Gerichte verwenden kann. Wichtig ist nur, dass man die Kerne und vor allem die fiesen Juck-Härchen entfernt. Ich halbiere dafür die Hagebutten und kratze das Samengehäuse in einer Schüssel unter Wasser aus. Das geht je nach Größe der Hagebutte mit dem Fingernagel oder einem kleinen Löffel sehr gut.

Die Hefeflocken ergänzen unser Nährstoffprofil um die wichtigen Vitamine der B-Gruppe und geben einen leicht herzhaften, salzigen Geschmack.

Als Öl verwende ich am liebsten ein Rapsöl mit Buttergeschmack, z.B. Albaöl oder das der Teutoburger Ölmühle.

Optional:

Die Samen der Nachtkerzen kann man jetzt auch in meditativer Feinarbeit ernten. Diese sind reich an entzündungshemmenden, ungesättigten Fettsäuren, welche man als Nachtkerzenöl kaufen kann. Aber auch gemahlen als Zutat zu verschiedensten Gerichten, können die Samen ihren gesundheitlichen Nutzen  entfalten.

Tipp: wenn ihr auf Gluten verzichten müsst, könnt ihr statt des Hartweizengrieß auch Maisgrieß (Polenta) verwenden. Hartweizen hat den Vorteil, dass er regional angebaut wird und der Grieß etwas nährstoffreicher ist als der Maisgrieß.

 

Zutaten für Wilde Grießschnitten (4 Portionen):

150g Hartweizengrieß

1/2 Liter Pflanzenmilch ungesüßt

1 TL Salz

25g Pflanzenöl

eine Handvoll Hagebutten (von Härchen und Kernen befreit)

2 EL Hefeflocken

eine Handvoll Brennesselsamen

eine Handvoll gemischte Wildkräuter (je nach Saison: Brennnessel, Taubnessel, Goldnessel, Breitwegerich, Spitzwegerich, Schafgarbe, Gundermann, Pimpinelle, Ehrenpreis, Salbei, Labkraut, Minze, Kapuzinerkresse…)

ein paar Blüten (je nach Saison: Ringelblume, Nachtkerze, Kapuzinerkresse, Salbei, Schafgarbe, Kornblume…)

optional: 3 TL gemahlene Nachtkerzensamen

etwas Öl für die Form

 

Gib zunächst die Pflanzenmilch mit Salz und Öl in einen Topf und erhitze diese. Währenddessen mische Grieß, Hefeflocken, (Nachtkerzensamen) und die kleingehackten Hagebutten. Wenn die Milch kocht, rührst du die trockenen Zutaten dazu, bis sich ein dicker Brei gebildet hat. Immer gut rühren, damit nichts anbrennt. Den Herd kannst du nun abstellen.Lasse den Brei etwas nachdicken und hacke währenddessen die Brennesselsamen, Wildkräuter und Blüten kleiner. Gib diese zu dem Gries, rühre sie gut unter und gib die gesamte Masse in eine gefettete Backform oder ein Blech. Bepinsele die Oberseite ebenfalls mit Öl. Dieser Grieskuchen muss nun bei 220°C etwa 20-30 Minuten backen, bis die Oberseite schön knusprig ist.

Zu den Griesschnitten passen besonders im Herbst – für ein Extra an Vit D, dem Sonnenvitamin – verschiedenste Pilze. Auch ein frischer Salat, zum Beispiel aus Feldsalat und Vogelmiere, welche man auch im Herbst und Winter noch findet, ergänzt die Schnitten ganz wunderbar.

Als Sauce empfehle ich euch einen Erdnuss- oder Sesam-Dipp.

 

Rezept für einen schnellen Dip:

Zutaten: 3 EL Tahini oder ungesalzenes Erdnussmus, 6 EL Wasser, Saft einer halben Limette, eine Knoblauchzehe, 1 TL Paprika edelsüß, 1/4 TL Kreuzkümmel, 1 TL Rotes Curry, 1 EL Sojasauce, Salz, Pfeffer

Alle Zutaten mischen. Bei Bedarf etwas mehr Wasser hinzugeben, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

 

 

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