Wie schön, dass du dich auch für den dritten Teil der Portraitreihe “Klettenlabkraut, Galium aparine” interessierst. Obwohl man eher weniger über das Kletti liest, ist es doch ein tolles wildes Kraut. Ein genauerer Blick lohnt sich allemal.

Anbau

Kletten-Labkraut wird eher als Unkraut betrachtet. Gerade in der Landwirtschaft ist es gefürchtet, da es sich selber breit aussät und Schäden an Erntemaschinen verursachen kann. Aus diesem Grund sollte man sich auch gut überlegen, ob man das Kletti in den eigenen Garten holen möchte. Denn da wo es ihm gefällt, da breitet es sich aus. An einer ungünstigen Stelle kann dies zum Überwuchern der anderen Pflanzen führen, darüber sollte man sich bewusst sein.

Ansonsten kann das Kletten-Labkraut aber sehr wohl sehr gut im Garten kultiviert werden. Das Saatgut kann man in gut sortierten Shops für Kräuter erstehen oder in der Natur sammeln. Das Kletti ist ein Wildkraut und daher auch sehr robust. Wenn man einen annähernd sonnigen und feuchten Platz mit einem nährstoff- und stickstoffreichen Boden -gerne lehmig – für es gefunden hat, kann man mit einer reichen Ernte rechnen. Aus diesem Grund gilt das Kletten-Labkraut auch als Stickstoffzeiger. Hilfreich sind auch Rankhilfen, an denen sich das Kletten-Labkraut aufrichten kann. Dies können ein Zaun oder Gitter, aber auch andere robuste und hochwachsende Pflanzen sein. Oftmals findet man z.B. Brennnessel und Kletten-Labkraut zusammen.

Die Aussaat erfolgt am besten im Herbst an Ort und Stelle, so wie es das Kletti auch in der Natur machen würde. Bei den Samen handelt es sich um Kaltkeimer, d.h. sie benötigen sogar eine Winter-Phase, um im Frühjahr zu keimen.

Wenn alles gut läuft, sät das Kraut sich jedes Jahr neu aus und ihr habt ein vielseitiges Wildkraut dazugewonnen.

Verwendung

Die Kräuterfrau Doris Grappendorf verwendet das Kletten-Labkraut auch in der Körperpflege. Insbesondere in der Haarpflege als Kur oder als Haarwaschmittel in Kombination mit Vogelmiere, soll das Kletten-Labkraut zu glänzendem Haar und beruhigter Kopfhaut führen, so dass die Entstehung von Schuppen verringert wird [1]. Auch als Deo kann eine konzentrierte Abkochung des Klettenlabkraut eingesetzt werden (ich würde es z.B. noch mit den ätherischen Ölen der Zitrone und des Salbeis mischen) [2, 3]. Die beruhigende Wirkung kann in Kombination mit anderen Haut- und Wundpflanzen auch auf die Hautpflege angewendet werden [1].

Ich verwende den Ölauszug des Kletten-Labkrauts sehr gern als Wirköl in Kosmetik, also in Salben, Cremes u.ä. Ich wähle deshalb für meine Ölauszüge auch von Vornherein ein Öl, das ich gut in Kosmetik vertrage, bzw. das sich gut für die Hautpflege eignet (z.B. Jojobaöl oder Mandelöl). Außerdem hat das Kletten-Labkraut mir bisher sehr gute Dienste bei der Behandlung kleinerer Verbrennungswunden geleistet.

In ihrem Anwendungsbereich konkretisiert sind die folgenden Zubereitungsformen:

  • als Tee/ Aufguss aus dem blühenden Kraut mit harntreibender, lymphanregender, leicht antibakterieller Wirkung, eingesetzt bei Psoriasis, Ekzemen, Arthritis, Skrofeln, Harnwegsinfektionen und Harnverhalten, kühlend bei Fieber [2, 3, 4]
  • als Saft als blutreinigendes und anregendes Lymphmittel [2], z.B. bei Drüsenfieber, Mandelentzündung, Prostatabeschwerden [5]
  • Tee- oder Saftkur als Begleittherapeutikum bei Hodgkins-Lymphom oder lymphatischer Leukämie [2]
  • Als Umschlag (mit Abkochung) bei Flechten, Geschwüren und Tumoren [2] oder Waschung mit Tee zur Behandlung von Wunden, Geschwüre, Schuppen, Hautentzündungen [3, 4, 5]
  • Abreibung mit Labkrautöl oder -salbe bei Lymphstau [1]
  • Als Salbe bei Psoriasis, Ekzemen, Pubertätsakne [4, 5]
  • Als Tinktur in der Indikation wie der Aufguss [4]

 

In der Küche

Das Kletten-Labkraut kann als geschmacklich angenehmes, wenig aufdringliches Wildgemüse in vielen Gerichten verwendet werden.

Prinzipiell ist zu sagen, dass man das Kletten-Labkraut selbstverständlich sowohl im rohen Zustand als auch gedünstet verwenden kann. Allerdings kann das rohe, unverarbeitete Kraut durch die feinen, aber stabilen Hafthärchen beim Verzehr den Mundraum und den Gaumen reizen oder sich kratzend anfühlen.

Die vor allem jungen Blätter und Triebe, welche sich von Mai – August zeigen, kann man sehr gut roh oder gedünstet entsaften. Sie dienen dann als Grundlage für vielerlei Suppen, Fonds oder Getränke. Die Blätter dienen gedämpft sehr gut als Gemüsebeilage (wie z.B. Spinat zubereitet) oder als Füllung für verschiedene Gerichte. Selbstverständlich kannst du die Blätter auch als Tee trinken.

Das Kletten-Labkraut trägt auch den Beinamen „Abnehmkraut“. Dies rührt vermutlich daher, dass schon im 16. Jhd. die These vertreten wurde, dass die täglichen Frühstückshaferflocken, eingeweicht in Kletten-Labkrauttee, dabei helfen „abzuspecken und eine gute Figur“ zu halten [4]. Auch eine Suppe aus Kletten-Labkraut soll vermögen schlank zu bleiben und eine Gewichtszunahme zu verhindern [2].

Die Samen des Kletten-Labkrauts erscheinen von September bis Oktober und sollen geröstet wie Kaffee aufbrühbar sein. So sollen sie in Irland noch heute als Kaffeealternative dienen [6].

 

Was denkst du?

Wofür verwendest du das Klettenlabkraut? Magst du eine Rezeptur mit uns in den Kommentaren teilen?

Wissensdurst?

Hast du schon die anderen Teile der Portraitreihe gelesen? Nein? Dann mal los, Teil 1 zum Thema Botanik und Mythen und Teil 2 zu den Inhalts- und Wirkstoffen des Kletten-Labkrauts lassen hoffentlich keine Fragen mehr offen.

Oder hast du etwa einen ganz echten physischen Hunger? Vielleicht wären die Kletten-Labkraut Ravioli etwas für dich?

Quellen

1 D. Grappendorf, Unkräuter, 2014

2 W.-D. Storl, Die Unkräuter in meinem Garten, GU, 2018

3 R. Lüder, F. Lüder, Wildpflanzen zum Genießen, 2013

4 P. Oday, Naturmedizin Heilkäuter, blv

5 E. Brooke, Von Salbei, Klee uns Löwenzahn, 1997

6 G. Madaus, Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Mediamed Verlag, 1938

Disclaimer: Quellen gebe ich an für Fakten, die es nur in vereinzelten Quellen zu finden gibt. Heilkräuterwissen ist in vielen Fällen mündlich überliefertes Volkswissen. Dadurch, dass in Internetartikeln oftmals andere Texte zitiert werden, aber keine Quellen angegeben werden, verwässert das tatsächlich vorhandene Wissen. Ich möchte, dass nachvollziehbar bleibt, ob es sich bei den dargestellten Fakten um allgemein vertretenes Wissensgut handelt oder um einzelne Meinungen.

Haftungsausschluss: Jede Anwendung sollte im Vorfeld mit einem Arzt/einer Ärztin abgeklärt werden. Die Anwendung von Heilpflanzen ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Die Autorin übernimmt keine Verantwortung für mögliche Folgen einer Anwendung.

 

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