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Sardinien: Serata Sardegna – Wir feiern das Fernweh

Melanie527 Leser

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Oh je, wenn ich das geahnt hätte wie heftig ich mich in diese Insel verlieben würde. Dabei waren es doch nur 7 Tage. Oder lag es genau daran? Dass wir uns nicht gut genug kennenlernen durften und uns nur die schönen Dinge ins Auge gesprungen sind? Nein, ich kann mir gar nicht vorstellen, dass irgendetwas auf Sardinien nicht traumhaft schön sein soll.

Mit unserem urlaubsverklärten Blick war ein Strand weiter als der andere, war die Natur von scheinbar nie gesehener Vielfalt. Wildpferde, Korkeichen, Lagunen, Hochebenen. Schroffe Felsen im Mondlicht und nebelversunkene Täler am Morgen. Das Klingeln der Kuhglocken, das Krähen des Hahns mitten in der Nacht und mit welch melodischen Schimpfwörtern unsere Gastgeberin Alessandra die sonntäglichen Jäger von ihrem Grundstück vertrieb. Und als wir dann eine Full Moon-Pizza-Party mit Sarden und Auswanderern verbringen durften, war es wohl für immer um uns geschehen. Tanzen unter freiem Himmel und dabei immer eine frische Pizza aus dem Steinofen in der Hand, das kann ja wohl nur das Paradies sein.

Ja, Urlaubserinnerungen sind schon eine großartige Sache. Und um unsere Erinnerungen länger frisch zu halten, haben wir einen Serata Sardegna geplant, einen unbeschwerten Abend mit guten Freunden, leckeren Getränken und raffinierten Rezepten der sardischen Küche.

Damit ihr richtig in Stimmung kommt, schicke ich euch  ein paar Impressionen voraus. Und das aufflammende Fernweh könnt ihr dann anschließend mit einem großzügigen Glas Mirto runterspülen.

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Das Beiwerk

Bei keinem sardischen Abend darf das typische Fladenbrot Pane carasau fehlen. Das heißgebackene Brot aus Weizenmehl, Hefe und Salz diente den Hirten als haltbarer Proviant auf ihren langen Touren durch die sardische Bergwelt, ist also eine super Grundlage für einen langen feucht-fröhlichen Abend.

Zum Pane carasau isst man am besten Antipasti. Auch hier haben die Sarden ihre kulinarischen Eigenheiten. Meine zwei Lieblinge sind in Öl und Kräuter eingelegte Asparagi (wilder Spargel) und in Öl, Essig und Kräuter konservierte Fagioli (weiße Bohnen). Dazu noch etwas Knoblauchcreme…zum Reinlegen.

Bei unserer kulinarischen Ode an Sardinien hatten wir natürlich auch zwei prozentige Begleiter: das wunderbar milde und erfrischende Ichnusa, das seit 1912 auf der Insel gebraut wird und gaaaanz wichtig: Mirto, ein sardischer Likör aus der Myrte.

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Die Hauptdarsteller

Jetzt seid ihr schon super auf die leckere Pasta eingestimmt, zumindest mir läuft jetzt das Wasser im Mund zusammen. Als 1.Gang dienen ganz nach sardischer Art die beliebten Malloreddus. Im Prinzip sind das einfache muschelförmige Hartweizennudeln, die aber auf verschiedene Art zubereitet werden können und zu vielen vor allem festlichen Anlässen als Einstieg in das Menü serviert werden. Das geniale ist die einfache und unkomplizierte Zubereitung, die aber durch raffinierte Zutaten ein Pastagericht mit Suchtfaktor zaubert.

Als zweiten Gang haben wir uns an die Zubereitung von Culurgiones gewagt. Hier muss man wirklich aufpassen, dass man nicht zu viel macht, denn was da ist, wird restlos weg geputzt. Garantiert! Auch auf die Gefahr von akutem Überfressen hin. Von diesen sardischen Ravioli mit Kartoffel-Minz-Füllung bleibt sicher nichts für den nächsten Tag über.

Wie immer kam zumindest ein Teil der Zutaten aus meinem Garten, diesmal hatten die Rote Emmalie und die trotz Minustemperaturen noch fitte Spearmint-Minze ihren großen Auftritt. Klar, ohne Knoblauch geht in der sardischen Küche nichts, auch der ist aus Eigenanbau. Natürlich habe ich alle Rezepte veganisiert. Für den Fall, dass ihr noch nie selber veganen Cashew-Parmesan hergestellt habt, findet ihr ganz unten am Ende des Artikels das wirklich sehr kurze und einfache Rezept dafür.

Nun mag ich euch  nicht weiter auf die Folter spannen und wünsche euch ganz viel (Gaumen)Freude beim Nachkochen!

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Zutaten Malloreddus alla Campidanese (vegan) für 5 Personen

  • 500 g Malloreddus
  • 260 g grobe vegane Bratwurst (z.B. von Wheaty)
  • 1 EL Fenchelsamen
  • 400 g Tomaten
  • 50 g Tomatenmark
  • 4 Knoblauchzehen
  • Olivenöl
  • Lorbeerblatt
  • 1/8 TL Safranfäden
  • eine Handvoll Basilikumblätter
  • Salz
  • veganer Parmesan*

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Vor der Zubereitung des Gerichts solltet ihr die Bratwurst in kleine Würfel schneiden und mit den Fenchelsamen für ein paar Stunden ziehen lassen. Der Geschmack des Fleischersatzes wird dadurch intensiver. Wenn ihr spät dran seid, tut es aber dem ganzen auch keinen Abbruch, die Fenchelsamen erst beim Kochen hinzuzufügen.

Als erstes schneidet ihr den Knoblauch in feine Scheiben, die Tomaten in kleine Stücke und löst den Safran in etwas Wasser auf. Knoblauch, Tomaten, Tomatenmark, Lorbeerblatt, Salz und gegebenenfalls die Fenchelsamen lasst ihr nun in der Pfanne etwas brutzeln. In der Zwischenzeit könnt ihr das Basilikum klein hacken und die Malloreddus aufsetzen. Wenn die Tomaten zu einer dicken Soße geworden sind, gebt ihr die vegane Bratwurst, den Safran und das Basilikum mit hinein und lasst das ganze bei kleinster Hitze köcheln, bis die Pasta fertig gekocht ist.

Wenn die Pasta fertig ist, entfernt ihr das Lorbeerblatt aus der Soße und vermischt Malloreddus und Tomatensoße. Auf dem Teller wird nun mit veganem Parmesan angerichtet und im Idealfall mit einem kühlen Ichnusa alles restlos verputzt! Buon appetito!

(bitte entschuldigt das unscharfe Foto, ich könnte schwören, dass zu diesem Zeitpunkt noch kein Mirto im Spiel war…)

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Zutaten Culurgiones (5 hungrige Personen)

Für die Pasta:

  • 350 g Hartweizengrieß
  • 150 ml Wasser

Für die Füllung:

  • 400 g Kartoffeln
  • 7 große Minzbätter
  • 2 Knoblauchzehen
  • 140 g veganen Parmesan*
  • 3 EL Olivenöl
  • Salz, Pfeffer

Für die Soße:

  • 5 Tomaten
  • 1 Zwiebel
  • veganer Parmesan* nach Belieben

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Als erstes müsst ihr den Teig zubereiten, da dieser ca. 1 h ruhen muss. Dafür gebt ihr einfach den Hartweizengrieß in eine Schüssel, formt eine Mulde und kippt dort das Wasser hinein. Nun vermengt ihr nach und nach Wasser und Grieß und knetet, bis ein glatter, fester Teig entstanden ist. Dieser wird in ein Tuch gewickelt und eine Stunde in Ruhe gelassen.

Während der Ruhezeit könnt ihr schon einmal die Füllung vorbereiten. Dafür kocht ihr die Kartoffeln und – das ist der Geheimtipp der Italienerin- bratet diese anschließend in der Pfanne leicht an, damit Röstaromen entstehen. Anschließend müssen die Kartoffeln gestampft oder durch die Kartoffelpresse gedrückt werden. Die Minze wird fein gehackt, der Knoblauch durch die Knoblauchpresse gedrückt und beides mit dem veganen Parmesan und dem Olivenöl dem Kartoffelstampf untergerührt. Die Füllung mit Salz und Pfeffer abschmecken.

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Wenn die Ruhezeit rum ist, müsst ihr den Teig dünn ausrollen oder durch die Nudelmaschine ziehen und runde Formen ausstechen (Durchmesser ca. 8 cm). Darauf gebt ihr einen Klecks von der Füllung und verschließt die Teigtaschen. Klassisch sardisch ist eine Zopfform der Culurgiones, die braucht etwas Übung und ist uns nicht gelungen (besonders schöne Culurgiones inklusive Video-Anleitung findet ihr aber hier: Bauchgold.de).

Als Soße werden ganz einfach die Zwiebel und die Tomaten in der Pfanne etwas geschmort und mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt. Auf dem Teller anrichten und mit einer ordentlichen Portion veganem Parmesan bestreuen.

Buon appetito!

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* Rezept für veganen Parmesan aus Cashew-Kernen:

  • 200 g Cashew-Kerne
  • 4 EL Hefeflocken
  • 1 TL Rauchsalz

Alle Zutaten im (Hochleistungs)mixer ordentlich durchmixen. Die Konsistenz sollte fein sein, ohne erkennbare Cashew-Stückchen.

 

 

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