Das Gartenjahr

Experiment: Sardischer Rosmarin aus Stecklingen

Melanie1 Kommentar495 Leser

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Urlaubsnachwehen. Ein paar Tage Sardinien und schon wird die Sehnsucht nach Auswanderung groß. Und dann versucht man sich ein bisschen Urlaub mit nach Hause zu bringen. Da wandert das Lieblingsbier in den Koffer. Das Brot von der Full-Moon-Pizza-Party muss natürlich auch mit. Und könnte man nicht das tolle Gericht aus dem kleinen Restaurant am Strand mal nachkochen? Gut, der sardische Abend ist geplant. Aber so richtig kommt keine Stimmung auf- mit Blick auf Eiche und Haselnuss. Klar, Kräuter und Lavendel wachsen auch in meinem Garten, aber der sardische Rosmarin und die Geranien lachen über ihre deutschen Vettern.

Gut, dass unsere Gastgeberin ein großer Schatz ist und mir Stecklinge sowohl vom Rosmarin als auch von den Geranien geschnitten hat. Ich habe schon öfter versucht diverse Pflanzen über Stecklinge zu vermehren. Angeblich soll das ja die einfachste Art sein, um Stauden und Kräuter zu vermehren – mir ist es bisher nicht gelungen. Eventuell fehlt mir die nötige Disziplin, aber mein Ehrgeiz ist gepackt. Und als erstes fange ich mit den Rosmarinstecklingen aus Sardinien an. Damit ich bald meine eigene mediterrane Ecke fürs Mittelmeerfeeling hab!

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Stecklingsvermehrung – wie man es eigentlich machen sollte

Am besten ich erkläre kurz, wie die gängige Empfehlung zur Vermehrung von Rosmarin über Stecklinge lautet. Weil ich diese danach total ignorieren werde und es auf sardische Art probiere!

Die beste Zeit um Rosmarinstecklinge zu schneiden, ist der späte Frühling oder auch der Frühsommer. Also dann, wenn die Tage wieder länger werden und die Sonnenstunden zunehmen. Als Stecklinge eignen sich nicht bis leicht verholzte Triebe. Diese schneidet man mit einem scharfen Messer oder einer Gartenschere ab, der Trieb soll ca. Handbreite haben (man liest meist 10 cm, aber mir fehlt eigentlich immer ein Maßband, wenn ich es bräuchte). Die unteren Blätter werden entfernt, den freiliegenden Stiel steckt man dann in Anzuchterde und im Idealfall stülpt man auch noch eine Plastiktüte über das Pflänzchen. Ich werde euch eine bebilderte Anleitung zur Stecklingsvermehrung nachreichen, wenn ich im nächsten Jahr andere Pflanzen auf diese Weise vermehre.

Stecklingsvermehrung – wie ich es probiere

 

Aber hier geht’s ja um die Mitbringsel aus Sardinien und die wurden nun mal im Oktober im Urlaub geschnitten. Eine denkbar schlechte Zeit. Aber einen Versuch ist es wert. Laut unserer Gastgeberin kann eigentlich nichts schief gehen, der Rosmarin wächst bei ihr wie Unkraut, wird weder gegossen noch gepflegt. Winterhart ist es auch in erhöhter Berglage, da wird es wohl auch im milden Berlin eine Chance haben.

Natürlich hatte ich im Kopf, wie man Stecklinge eigentlich schneiden soll. Meine Gastgeberin hat aber ihre ganz eigene Art Rosmarin zu vermehren. Und da es ja sardischer Rosmarin ist, kennt er es vielleicht nicht anders. Beherzt hat sie also ein paar Triebe abgeschnitten und ja, die waren verholzt und ja, die waren schon etwas trocken. Wäre aber alles kein Problem, ich solle sie einfach erst etwas ignorieren und dann der Länge nach in die Erde legen.

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Tatsächlich habe ich die Stecklinge dann zu Hause erstmal vergessen. Aus schlechtem Gewissen habe ich sie dann doch noch in ein Glas mit Wasser gestellt, bevor ich sie auf die Terrasse gebracht habe, damit sie sich an die Temperaturen in Deutschland gewöhnen. Nach 4 Tagen ging es dann ins Beet. Als Tipp hatte ich noch bekommen, die Ästchen an vereinzelten Stellen etwas anzubrechen, um die Wurzelbildung anzuregen. Leider waren sie teilweise schon so holzig, dass sie mir komplett gebrochen sind. Ich kann mir vorstellen, dass sie an diesen Stellen Schimmel ansetzen könnten. Aber die ganze Pflanzvariante ist so unkonventionell, dass es am Ende eh die Summe der ungünstigen Umstände sein wird, die ein eventuelles Scheitern verursacht.

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Ich bilde mir aber ein, auf dem Bild oben schon eine Art Wurzelansätze zu erkennen. Was meint ihr?

Stecklinge direkt ins Beet?

Aus verschiedenen Gründen habe ich mich dafür entschieden, die Stecklinge direkt an ihren zukünftigen Platz im Garten zu pflanzen, anstatt mit Anzuchterde, Pflanztöpfen oder Gewächshaus zu arbeiten. Zum einen hatte ich gerade einen Platz von den starkzehrenden Zucchinipflanzen befreit, ein Stück freies Beet mit nährstoffarmer, lockerer Erde stand also zu Verfügung. Anzuchterde soll im Allgemeinen nicht zu nährstoffreich sein, weil die Pflänzchen sonst zum Vergeilen neigen und eher schwache, dünne Triebe bilden. Gegen den Topf und auch das Gewächshaus habe ich mich entschieden, weil ich zum einen dazu neige das Gießen zu vernachlässigen und weil wir noch einige Tage Kurzurlaub geplant hatten. Zu dieser Zeit kam ein ständiger Nieselregen vom Himmel, der Boden war feucht, aber nicht zu nass. Mit Wasser waren die Stecklinge dort im Beet also besser versorgt als unter einem Dach.

Wie empfohlen habe ich dann einfach dünne Rinnen in den Boden gezogen und die Pflanzenteile wie sie waren im Beet versenkt.

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Ich habe die Stecklinge nicht komplett bedeckt, die zwei Enden gucken jeweils noch aus dem Boden. Sobald Bodenfrost angesagt wird, werde ich das Beet sicherheitshalber abdecken und dann bin ich gespannt, ob im Frühjahr kleine sattgrüne Rosmarintriebe aus der Erde winken.

Was meint ihr, besteht eine Chance für meinen Rosmarin? Habt ihr schon mal eine Pflanze einfach auf gut Glück in den Boden gebracht? Was ist daraus geworden?

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