Das Gartenjahr

Phänologie – Wissenschaft hinter Bauernregeln

Melanie543 Leser

Habt ihr schon mal etwas von Phänologie gehört? Ja, ich weiß, das klingt irgendwie esoterisch, irgendwie unseriös. Das hab ich auch gedacht als ich es in meinem neuesten Gartenbuch gelesen habe. Und deshalb musste ich es sofort nachschlagen und –was soll ich sagen- es geht alles mit rechten Dingen zu in der Phänologie! Sogar der Wetterdienst nutzt die Beobachtungen für Vorhersagen! Um ehrlich zu sein wundere ich mich sogar, dass ich diesen Begriff noch nie gehört habe, denn die Erkenntnisse der Phänologie nutze ich selber jedes Jahr aufs Neue bei der Gartenarbeit. Und ihr auch –da bin ich mir ganz sicher!

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Was ist Phänologie?

Ganz trocken definiert ist die Phänologie die Lehre von periodisch wiederkehrenden, charakteristischen Entwicklungs- bzw. Verhaltenserscheinungen von Pflanzen und Tieren. Anhand dieser kann man das Jahr in phänologische Jahreszeiten einteilen. Wenn man aus diesen Erscheinungen dann einen phänologischen Kalender erstellt, kann man meteorologische und klimatische Trends für das Jahr ablesen. Das ist besonders von Bedeutung für die Agrarwirtschaft, da die phänologischen Jahreszeiten lokale Schwankungen mit einbeziehen und unabhängig von den astronomischen und meteorologischen Jahreszeiten erscheinen. Wer viele Gartenblogs liest kennt das. Wie sehr staunt man manchmal über die Wachstumsschübe in anderen Gärten, während bei einem selber noch kein Körnchen gefruchtet hat?

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Wie funktioniert das ganze jetzt?

Jede Keimung, jede Blüte, jeder Blattrieb hat seinen eigenen charakteristischen Zeitpunkt, der abhängig von den Wetter- und Klimabedingungen eines bestimmten Ortes zu einer bestimmten Zeit ist. Diese Bedingungen können von Jahr zu Jahr schwanken, mal ist die Forsythienblüte früher, mal erst etwas später im Jahr. Auf jeden Fall herrschen nun optimale Bedingungen, um die Rosen zu beschneiden. Na, das kommt euch sicherlich bekannt vor, oder? Ja, das nennt man Phänologie: dass die Forsythienblüte ein Zeiger für den Rosenschnitt ist. So gibt es viele verschiedene Zeigerpflanzen anhand deren Blüte, Keimung, Blatttrieb oder Reife man optimale Zeitpunkte für bestimmte Gartentätigkeiten ablesen kann. Und sogar das Verhalten von Tieren kann als Zeiger dienen: der erste Schmetterling, die erste Biene, das Verhalten von Vögeln, Spinnen und Mücken  – sie alle sind Boten bestimmter klimatischer und meteorologischer Umstände.

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Die phänologischen Jahreszeiten

Die phänologischen Jahreszeiten werden durch charakteristische Erscheinungen in Flora und Fauna definiert und bieten dem Gärtner einen Richtwert für bestimmte gärtnerische Tätigkeiten. Hier hab ich euch mal eine Auswahl recherchiert.

  • Vorfrühling (Ende Februar – Anfang März): Die erste Blüte von Haselnuss und Schneeglöckchen, Vollblüte des Winter-Jasmins. Läutet die neue Gartensaison ein. Zeitpunkt für Bodenarbeiten, Vorziehen von Gemüsepflanzen und Aussaat von Sommergetreide. Auslichten sommerblühender Gehölze, Staudenteilung und Kürzung der Weinreben.
  • Erstfrühling (Mitte März – Mitte April): Die Blüte von Forsythie. Belaubung von Stachel- und Johannisbeere sowie Blüte von Kirsche, Pflaume, Birne, Schlehdorn und Ahorn. Keimen des Sommergetreide sowie Blatttrieb von Rosskastanie, Birke, Rotbuche und Linde. Es ist Zeit zum Kartoffelsetzen, Zuckerrüben aussäen und Beschneiden von Rosen, Lavendel und Beerenhölzern. Pflanzung von Kohlrabi und Kopfsalat.
  • Vollfrühling (Mitte April – Ende Mai): Blüte von Apfel, Flieder und Himbeere. Blatttrieb von Eichen. Die ersten Triebe der Kartoffeln und Zuckerrüben lassen sich blicken, Wintergetreide schosst. Zeitpunkt zum Rasen säen und Kartoffelsetzen.
  • Frühsommer (Juni): Blüte von Schwarzem Holunder, Fuchsschwanz, Weißdorn, Gräsern und Türkischem Mohn. Der Winterroggen blüht, die anderen Getreidearten schossen. Zeit für die Heuernte, Aussaat einjähriger Sommerblumen, Möhren und Brokkoli. Kartoffeln anhäufeln.
  • Hochsommer (Mitte Juni – Mitte August): Blüte von Sommer-Linde und Kartoffeln, Reife von Johannisbeeren. Zeit für die Getreide- und Rapsernte. Beerensträucher nach Abernten schneiden, zweijährige Blumen aussäen und Stecklingsvermehrung.
  • Spätsommer (Mitte August – Ende September): Reife von Klarapfel, früher Zwetschgensorten, Felsenbirne und Vogelbeere. Blüte von Heidekraut und Herbst-Anemone. Zeitpunkt für zweite Heuernte sowie Heckenschnitt. Pflanzung von Herbstzeitlose, Madonnenlilie, Herbstkrokus und Erdbeeren.
  • Frühherbst (Mitte – Ende September): Blüte von Herbstzeitlose und Reife von Holunder und Haselnuss. Zeitpunkt für die Birnen- und Zwetschgenernte. Rasen anlegen, Frühjahrsblüher setzen, Feldsalat säen.
  • Vollherbst (Oktober): Reife von Eiche, Rosskastanie, Quitte und Walnuss. Laubfärbung von Rosskastanie, Rotbuche, Eiche, Esche und Wilder Wein. Blattfall bei Obstbäumen. Zeitpunkt für die Ernte von Spätkartoffeln, Rüben und Äpfeln. Aussaat von Wintergetreide und Gründüngung. Pflanzen von Rhabarber.
  • Spätherbst (Anfang – bis Ende November): Laubfall bei Eiche und Rosskastanie. Keimung von Wintergetreide. Pflanzung von Hecken und Obsthölzern sowie Rasenreparatur. Die Gartensaison geht zu Ende.
  • Winter (Ende November – Ende Februar): Laubabwerfende Hölzer haben alles Laub verloren. Winterschnitt von Obsthölzern. Weitestgehend Vegetationsruhe.

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Wichtiges Werkzeug vom Deutschen Wetterdienst

Wie praktisch übrigens, dass wir gerade in diesem Herbst eine Eberesche eher zufällig neben unsere 250 Jahre alte Eiche gepflanzt haben:

Treibt die Esche vor der Eiche, hält der Sommer große Bleiche.

Treibt die Eiche vor der Esche, hält der Sommer große Wäsche.

Ich bin dann also in Zukunft gerne euer Orakel! Wenn ihr es aber etwas genauer haben wollt, dann findet ihr auf der Webseite des Deutschen Wetterdienstes ganz genaue Infos zu Jahres– und Sofortmeldern!

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