Das Gartenjahr

November: Bäume und Sträucher pflanzen

Melanie498 Leser

Ich habe immer eine furchtbar lange Pflanzenwunschliste. Das gefährliche ist: wird eine Pflanze von der Liste gestrichen, kommen gleich drei wieder dazu. Jeder, der einen Garten neu zu bewirtschaften hat, wird das kennen. Überall sind noch Lücken, es ist so viel Platz für Neuzugänger. Und es gibt so viele interessante und nützliche Bäume, Sträucher, Blumen…

Das letzte Mal ordentlich aufgestockt wurde die Liste, nachdem ich einen Artikel in „Mein schöner Garten“ gelesen hatte. Dieser porträtierte den Garten einer Hobbygärtnerin. Es wurde gezeigt wie die Dame köstliche Gelees, Marmeladen und Desserts aus den knalligen Beeren ihrer zahlreichen Wildsträucher zaubert. Mir wurde ganz warm ums Herz, das möchte ich auch! Und zwar sofort (ich will am liebsten immer alles sofort…)!

Gesagt getan, der Weg führte direkt von meiner Pflanzenliste zu der Online-Gärtnerei meines Vertrauens (Baumschule Horstmann, ich kann sie bisher bedingungslos empfehlen). Im Warenkorb landeten die Aroniabeere „Hugin“, die Kornelkirsche „Jolico“, der Zierapfel „Eleyi“, die Vogelbeere „Edulis“ und eine Schlehe. Dazu gesellte sich -immer noch wegen der nicht enden wollenden Urlaubsnachwehen– ein Feigenbäumchen.

November: Pflanzzeit für laubabwerfende Gehölze

Wie gut, dass der November die ideale Pflanzzeit für alle laubabwerfenden Gehölze ist. Bis dahin haben sie ihr Laub verloren und sind auf dem Weg in die oberirdische Winterruhe. Unter der Erde sind sie aber nach wie vor fleißig, treiben neue Wurzeln und bilden viele Verzweigungen. So sind sie dann im Frühjahr fest mit ihrem neuen Platz verwachsen und einem reichen Austrieb steht nichts mehr im Wege. Der Vorteil ist auch, dass der Boden in der kalten Jahreszeit viel mehr Feuchtigkeit speichert, Gießen ist nur notwendig direkt nach der Pflanzung oder bei sehr starkem Bodenfrost (dann aber möglichst warmes Wasser verwenden).

Tatsächlich war es ja in den letzten Tagen hier in Berlin sehr kalt, kleinere Kübel waren schon komplett durchgefroren. Aber selbst das kümmert die Neupflanzungen recht wenig: solange es sich um winterharte Pflanzen handelt und der Gartenboden sich noch durchgraben lässt, ist das Einpflanzen bei Bodenfrost völlig vertretbar.

Tipp: Wurzelnackte Pflanzen sollte man grundsätzlich im Herbst pflanzen, da diese in den meisten Baumschulen zu dieser Zeit aus dem Boden geholt werden und dann bis zum Frühjahr nur leicht mit Erde bedeckt gelagert werden!

Wie auch immer, wir hatten keine Wahl, die Sträucher waren ja nun mal da und wollten in den Boden.

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Pflanzloch ausheben

Das Pflanzloch sollte im Durchmesser etwa doppelt so groß sein, wie der Durchmesser des Wurzelballens. Auch nach unten hin kann man den Boden ruhig etwas lockern, dann haben es die kleinen Wurzeln später leichter, sich in alle Richtungen auszubreiten.

Unbedingt müsst ihr aber darauf achten, dass die Pflanze bei euch nicht tiefer oder höher als bei der Baumschule im Boden stehen. Bei Containerpflanzen ist das einfach, da sollte die Oberfläche des Containers mit eurer Bodenoberfläche abschließen. Bei Ballen-oder wurzelnackten Pflanzen sollte der Boden etwa 2 – 3 cm über dem oberen Wurzelende abschließen.

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Pflanze vorbereiten

So, das klingt jetzt eher selbstverständlich, aber sicher ist sicher: nicht vergessen den Topf vor dem Pflanzen abzunehmen! Ballensäcke aus Jute oder Drahtkörbe dienen der Stabilisation und können –müssen!– an der Pflanze bleiben.

Wenn ihr den Ballen nun aus dem Container gehoben habt, dann solltet ihr mit einem scharfen Gegenstand (wir nehmen eine Hacke) das Wurzelgeflecht etwas anritzen und lockern. Durch die Verletzungen wird die Wurzelneubildung angeregt. Außerdem wachsen bei gut durchwurzelten Containern die kleinen Ästchen im Kreis am Topfrand lang. Wenn ihr den Ballen etwas lockert, stellt ihr sicher, dass sie im Boden diese Wuchsform nicht beibehalten, sondern sich in alle Richtungen ausbreiten.

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Einschlemmen nicht vergessen

Der fertig bearbeitete Wurzelcontainer kann nun unter Beachtung der Pflanztiefe in das Pflanzloch eingesetzt werden. Sinnvoll ist es, den Ballen schon an dieser Stelle mit Wasser einzuschlemmen. Ihr füllt das Pflanzloch um den Wurzelbereich also einfach zur Hälfte mit Wasser und wartet, bis dieses versickert. So haben die untersten Wurzelbereiche schon mal guten Bodenanschluss und Luftreservoirs werden vermieden.

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Ist das Wasser zum größten Teil versickert, füllt ihr das Loch nach und nach mit gut gelockerter Erde auf. Diese sollte nicht zu nährstoffreich sein und eine Düngung solltet ihr im Herbst sowieso vermeiden. Viele ambitionierte Gärtner nehmen frische Pflanzenerde, im Idealfall in der Zusammensetzung perfekt auf die Pflanze abgestimmt – ich bin dafür zu faul und nehme das, was ich ausgehoben habe (mal ganz abgesehen von der Kostenfrage). Eventuell brauchen meine Pflanzen dann etwas länger zum Anwachsen, aber ich mag sie nicht verhätscheln und bisher hat es so gut geklappt.

Ihr befüllt also das Loch abwechseln mit der Erde eurer Wahl und Wasser zum Einschlemmen. Ihr könnt dann auch die Pflanze immer wieder etwas rütteln, damit der Schlamm in alle Zwischenräume eindringt und kleinste Luftreste verdrängt werden. Wichtig ist nämlich, dass die Wurzeln einen optimalen Bodenanschluss haben – von Luft und Liebe können auch sie sich leider nicht ernähren.

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Noch einmal Gießen…

Ist das Loch voll, baut ihr einen kleinen Gießwall, damit euch das Wasser nicht in die Umgebung abhaut, wässert noch einmal reich und dann könnt ihr auch schon euren jungen Liebling an seinem tollen neuen Platz im Garten bewundern.

Tipp: Wenn ich Pflanzen online bestelle, kommen diese meistens in Füllmaterial gehüllt. Baumschule Horstmann nimmt z.B. Stroh dafür. Dieses benutze ich gleich als Frost- und Verdunstungsschutz und verteile es großzügig um den Wurzelbereich. Beim Laubharken landen dann ab und zu noch ein paar Blätter oben drauf – so haben die Neuankömmlinge es schön warm (ja, gut, ein bisschen verwöhnen tue ich sie doch…).

Modell gestanden hat hier übrigens stellvertretend für alle neuen Gartenuntermieter die Apfelbeere „Hugin“ (Aronia melanocarpa ‚Hugin‘).

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