„Was des einen Freud, das des anderen Leid“

Nie passte ein Sinnspruch besser auf ein…Gemüse? Gewürz? Heilkraut? Ja, was ist er denn nun eigentlich, der liebe Knoblauch? Denn vereinen tut er die Eigenschaften von allen diesen Begrifflichkeiten. Lasst uns also mit einem Blick auf die botanischen Fakten zum Knoblauch beginnen.

Botanik

Der botanische Name des Knoblauchs lautet Allium sativum. Früher wurde er zur Familie der Liliengewächse, der Liliaceae gezählt; nach der Umstrukturierung in der Pflanzsystematik gilt er heute als ein Vertreter der Amaryllidaceae, den Amaryllisgewächsen. Was haben diese Familien alle gemeinsam? Richtig, die Zwiebel, das Überdauerungsorgan, aus dem dann bei passendem Klima lange schmale Blätter treiben und letztendlich auch ein einzelner Blütenstiel. Den Alliumvertretern als Blütenstand gemein ist eine kugelrunde Scheindolde, die aus vielen einzelnen Blüten besteht. Diese bilden Samenkapseln aus, in denen sich schwarze Samen befinden. Zusätzlich bildet die Zwiebel Brutzwiebeln aus, welche zusammengefasst durch ein Häutchen im Blütenstand stehen. Das besondere am Knoblauch ist die Tatsache, dass die eigentliche Zwiebel (genannt „Knolle“) aus mehreren kleinen Tochterzwiebeln besteht, die wir unter der Bezeichnung „Zehe“ kennen. Aus einer einzelnen Zehe können sich dann zur Vermehrung wiederum weitere Tochterzwiebeln ausbilden – aus eins mach viele.

Sehr interessant ist ja immer, woher die Pflanzen denn eigentlich ihren botanischen Namen haben. Der Knoblauch verdankt seinen Gattungsnamen wie alle anderen Vertreter dieser Gattung seinem Geschmack. „Allium“ bedeutet nichts anderes als „scharf“ oder „brennend“. Da der Knoblauch so wie wir in klassischerweise kennen, eine Kulturform ist, trägt er zur genauen Bezeichnung noch den Namenszusatz „sativum“, was – ihr erratet es – „kultiviert“ bedeutet.

Sehr schön und bildhaft finde ich auch den englischen Namen des Knoblauchs: garlic. „Gar“ ist ein altes Wort für „Spear“ also Speer (und wenn man sich mal das Brutzwiebel-Päckchen anschaut, wird schnell klar, wie man darauf kam), „leac“ ist die alte Schreibweise für „leek“, also Lauch [1].

 

Mythen

Wo auch immer man zu Knoblauch recherchiert, immer wird betont, wie lange dieser schon in der Menschheitsgeschichte präsent ist.

Im alten Ägypten sollen sich die Pyramidenarbeiter beschwert haben, sobald ihnen der Knoblauch ausging, denn schließlich hielt dieser sie gesund und leistungsfähig genug, um die unmenschlichen Strapazen ertragen zu können [2,3].  Die antiseptische Wirkung des Knoblauchs war schon so wohlbekannt, dass man diesen dafür verwendete, um Mumien auszustopfen und vor der Fäulnis zu bewahren [2].

Die römische Armee soll den Knoblauch dem Gott des Krieges Mars gewidmet haben, denn er schenkte ihnen Mut und Inspiration [1] und auch in der Bibel findet der Knoblauch Erwähnung [2].

Am spannendsten und bekanntesten ist aber wohl der Aberglaube, Knoblauch könne Vampire abhalten. Hier gibt es verschiedenste Theorien, wie es zu diesem Glauben kommen konnte. Eine sehr alte Erklärung könnte die sein, dass man Knoblauch gern gegen Insekten- und auch Skorpionstiche anwandte – zum einen als antientzündliches Heilmittel zur Behandlung, zum anderen auch zur Abwehr der Insekten. Warum sollte dies also nicht auch bei wiedergehenden Menschen, deren Existenz fest in osteuropäischen Kulturen verankert ist, funktionieren? Etwas wissenschaftlicher ist die Erklärung, dass Knoblauch ein Enzym enthält, welches das Hämoglobin, den roten Blutfarbstoff, spaltet. So soll er also auf die eh schon an chronischer Anämie leidenden Vampire besonders abschreckend wirken. Ich persönlich glaube, dass es eine ganz simple, ja fast schon glanzlos rationale Erklärung für den Glauben an die abschreckende Wirkung von Knoblauch gibt: den Geruch, dessen mal mehr mal weniger stark fluchtauslösende Wirkung jeder doch ganz gut nachvollziehen kann.

Was denkst du?

Kennst du eine spannende, mystische, lustige Geschichte zum Knoblauch? Schreib sie mir in die Kommentare!

Wissensdurst?

Im zweiten Teil der Reihe “Knoblauch, Allium sativum” lernst du vieles über die Inhaltsstoffe und die Heilwirkung des Knoblauchs. Ich freue mich, wenn du weiterliest!

Magst du wissen, wie du Knoblauch selber anbauen kannst oder wie du ihn am besten in Küche und Hausapotheke verwendest? Dann stöbere doch im dritten Teil der Reihe.

Quellen

[1] Holmes; RHS Herbs for the gourmet gardener; Mitchell Beazley, 2014

[2] Grünwald, C.Jänicke; Grüne Apotheke; Gräfe und Unzer Verlag GmbH, 2004

[3] Hildegard von Bingen; Pflanzen- und Kräuterkunde; Verlag Moewig

Disclaimer: Quellen gebe ich an für Fakten, die es nur in vereinzelten Quellen zu finden gibt. Heilkräuterwissen ist in vielen Fällen mündlich überliefertes Volkswissen. Dadurch, dass in Internetartikeln oftmals andere Texte zitiert werden, aber keine Quellen angegeben werden, verwässert das tatsächlich vorhandene Wissen. Ich möchte, dass nachvollziehbar bleibt, ob es sich bei den dargestellten Fakten um allgemein vertretenes Wissensgut handelt oder um einzelne Meinungen.

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