Im ersten Teil der Portraitreihe “Knoblauch, Allium sativum Knoblauch” haben wir den Knoblauch botanisch eingeordnet, einen Blick in den historischen Werdegang des Allium sativums geworfen und uns spannende Mythen erzählt. Doch Mythen hin oder her, klar ist, dass der Knoblauch und sein Geruch die Gemüter erhitzt.

Bild: pixabay.de

Inhaltsstoffe

Woher kommt denn aber nun eigentlich dieser Geruch? Diese Frage liefert mir einen wunderbaren Übergang zu den Inhaltsstoffen des Knoblauchs. Denn das auslösende schwefelhaltige Molekül ist nicht nur für den Geruch zuständig, sondern auch zum großen Teil für die hervorragende Heilwirkung des Knoblauchs verantwortlich. Über 6000 Einträge gibt es allein zu dem Begriff „garlic“ in Pubmed, einer Datenbank für wissenschaftliche Publikationen. Dazu kommen über 8000 Einträge zum Stichwort „allium“. Man kann also sicher sagen, dass die Wirkungen von Knoblauch sehr gut erforscht sind.

So gut erforscht, dass man sogar den biochemischen Stoff, welcher verantwortlich für Geruch und Wirkung ist, nach der Pflanzengattung benannte: Alliin, bzw. sein Abbauprodukt Allicin. Allicin ist ein leicht flüchtiges und instabiles Molekül, das entsteht, wenn man die einzelnen Zellen des Knoblauchs zerstört. Dadurch kommt das ursprünglich geruchlose Alliin mit dem Enzym Allinase in Kontakt und wird abgebaut [2, 6, 7, 8].

Wirkung

Allicin gehört zu den Sulfiden, basiert also auf Schwefel. Es wirkt antikanzerogen, antimikrobiell, antioxidativ, antithrombotisch, immunmodulierend, antiinflammatorisch, blutdruckregulierend und cholesterinsenkend. In der Pflanze hat es eigentlich die Funktion eines Abwehrstoffes, wirkt also antibakteriell, antifungal, antiviral, antiparasitär und Insektenabwehrend [2, 6, 7, 8]. Der frische Knoblauch ist in seiner Wirkung am stärksten [6].

Besonders die Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System ist so gut belegt, dass der Knoblauch von der Kommission E und ESCOP dafür eine Positiv-Monografie erhielt [2]. Dies bedeutet, dass die Wirkung wissenschaftlich nicht nur belegt ist, sondern, dass es auch keine schwerwiegenden Nebenwirkungen gibt. Die antisklerotische and Venen-protektive Wirkung beruht auf einer cholesterinsenkenden Eigenschaft, der Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes, antithrombotischen Effekten, Gefäßerweiterung sowie einer antioxidativen Wirkung [2]. Zudem wird dem Knoblauch auch eine blutdrucksenkende Wirkung attestiert [2]. Alle diese Effekte auf die Blutgefäße zeigen sich natürlich im gesamten Körper und so auch im Gehirn, wo sie das Risiko für Schlaganfälle reduzieren [2].

In der Volksheilkunde wird der Knoblauch bei Atemwegserkrankungen [2], Blähungen [2] und Ohrenentzündung eingesetzt [2]. Schon Hildegard von Bingen empfahl den frischen, rohen Knoblauch dem Lauch vorzuziehen, warnte aber vor übermäßigem Verzehr [3]. Penelope Ody empfiehlt den Knoblauch zur Cholesterinsenkung und besonders bei Fettleber oder Gallenerkrankungen [2, 9].

Auch im Ayurveda wird der Knoblauch eingesetzt. Hier ist insbesondere die Behandlung von Scheidenpilz [4] induziert, aber auch die stark verjüngenden, entgiftenden und blutreinigenden Effekte werden je nach Konstitutionstypen genutzt. Interessant ist, dass schon das Ayurveda vor der Blutfluss-verändernden Eigenschaft des Knoblauchs, welche zu Blutungen führen kann, warnt. Allerdings rät das Ayurveda auch vom täglichen Gebrauch des Knoblauchs ab, da er eine starke Reizwirkung auf die Geschlechtsorgane hat und vernebelnd wirkt, was für Yogis eher nicht erwünscht ist [5].

Ernährung

Ernährungsphysiologisch ist der Knoblauch sehr zu empfehlen. Er enthält nennenswerte Mengen an Proteinen und Kohlenhydrate und hier ganz besonders zum Großteil Polysaccharide, welche sich vorteilhaft auf den Blutzuckerspiegel, auf das Cholesterin und die Verdauung auswirken. Knoblauch ist reich an Kalium, enthält nennenswerte Mengen Magnesium und ist reich an Phosphor. Knoblauch kann besonders auch bei pflanzlicher Ernährung einen Beitrag zur Eisen- und Zinkversorgung leisten und liefert Vitamin B1 und B6 [10}.

Was denkst du?

Hast du den Knoblauch selber schon mal als Arzneimittel verwendet? Wie hat er dir geholfen? Schreib mir in die Kommentare, ich bin sehr gespannt!

Wissensdurst?

Hast du schon den ersten Teil der Portraitreihe “Knoblauch, Allium sativum ” zum Thema Botanik und Mythen gelesen?

Im dritten und letzten Teil der Reihe wollen wir lernen, wie wir den Knoblauch selber im Garten anbauen können und wie wir ihn in Küche und und Hausapotheke verarbeiten können.

Quellen:

[1] Holmes; RHS Herbs for the gourmet gardener; Mitchell Beazley, 2014

[2] Grünwald, C.Jänicke; Grüne Apotheke; Gräfe und Unzer Verlag GmbH, 2004

[3] Hildegard von Bingen; Pflanzen- und Kräuterkunde; Verlag Moewig

[4] K.Rosenberg, K. Nagersheth, A. Albrecht; Ayurveda mit heimischen Pflanzen; blv, 2015

[5] V.Lad, D.Frawley; Die Ayurveda Pflanzenheilkunde; Windpferd, 2013

[6] M. Sabnis; Chemistry and Pharmacology of Ayurvedic medicinal plants; Chaukhamba Amarabharati Prakashan Varanasi, 2017

[7] J. Sharifi-Rad, D. Mnayer, G. Tabanelli, Z.Z.Stojanović-Radić, M. Sharifi-Rad, Z. Yousaf Z., L. Vallone, W. Setzer, M. Iriti;  Plants of the genus Allium as antibacterial agents: From tradition to pharmacy; Cell Mol Biol (Noisy-le-grand), 2016; 62(9):57-68

[8] Y. Zhu, R. Anand, X. Geng, Y. Ding; A mini review: garlic extract and vascular diseases; Neurol Res. 2018; 40(6):421-425

[9] P.Ody; Naturmedizin Heilkräuter; blv, 1995

[10] B.Heseker, H.Heseker; Die Nährwerttabelle; Neuer Umschau Buchverlag, 4. Aktualisierte Auflage, 2016/17

Disclaimer: Quellen gebe ich an für Fakten, die es nur in vereinzelten Quellen zu finden gibt. Heilkräuterwissen ist in vielen Fällen mündlich überliefertes Volkswissen. Dadurch, dass in Internetartikeln oftmals andere Texte zitiert werden, aber keine Quellen angegeben werden, verwässert das tatsächlich vorhandene Wissen. Ich möchte, dass nachvollziehbar bleibt, ob es sich bei den dargestellten Fakten um allgemein vertretenes Wissensgut handelt oder um einzelne Meinungen.

 

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