Das Gartenjahr

Mit großen Sprüngen in den Frühling: Wir feiern Imbolc!

Melanie266 Leser

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Es ist der 1.Februar – Imbolc: das Fest des Neuanfangs, des neuen Bauernjahres. Die Natur erwacht zum Leben, die ersten Frühlingsblüher strecken die Spitzen aus dem Boden, die Bäume und Sträucher machen sich bereit für den ersten Austrieb.

Gibt es einen besseren Tag, um meinen im Dornröschenschlaf liegenden Blog wieder mit Leben zu füllen? Nach dem Start vor etwas über einem Jahr hat sich spontan so viel verändert in meiner Jahresplanung , dass ich keine Zeit mehr gefunden habe, den Blog zu führen. Viel wäre auch nicht zu berichten gewesen, denn auch der Garten musste wegen eines Auslandsaufenthaltes hintenanstehen. Hinzu kamen Baumaßnahmen an unserem Haus, die dazu führten, dass ein großer Teil meines Küchengartens von Baggern verwüstet wurde. Ein paar Lebenszeichen habe ich ja immer mal wieder bei Instagram gesendet. Aber nun möchte ich hier doch gern wieder ein paar mehr Informationen und Erfahrungen mit euch teilen.

Das Bauern-Neujahr, die ganze Schufterei beginnt von Neuem

Lasst uns mit der Geschichte des Tages beginnen, der auch Bauern-Neujahr genannt wird und vor nicht allzu langer Zeit auch noch offiziell als Feiertag den Beginn des neuen Gartenjahres einläutete. Es war der einzige Tag im Jahr, an dem die Knechte und Mägde ihre Anstellung wechseln durften. Die alte Saison war beendet und die neue Saison würde bald beginnen. Es ist auch die Zeit im Jahr, wenn die Schafe beginnen wieder Milch zu geben. In Zeiten fern ab von Massentierhaltung und künstlicher Befruchtung von „Nutztieren“ war dies ein wichtiger Meilenstein im Jahr, denn nach langen hungrigen Wintern, nahmen auch die Menschen dankbar etwas Schafmilch zur Stärkung an. Dies war sogar so wichtig, dass Imbolc auf Irisch auch „Oimelc“ für Schafsmilch (Ewe’s milk) genannt wird.

Was bedeutet Imbolc?

Imbolc selber bedeutet entfernt etwas wie „Waschung“ und symbolisiert den Beginn des jungfräulichen, neuen, reinen Jahres. Die heidnische Mythologie basiert auf der Verknüpfung des Kreislaufs der Natur mit dem des menschlichen Lebens. So kann man Imbolc auch als die Geburt des Jahres ansehen, es liegt in der Mitte zwischen Wintersonnenwende und Frühjahrs-Tagundnachtgleiche.

Brighid als Verkörperung des erwachenden Frühlings

Verkörpert wird Imbolc durch Brighid, die Göttin des Lichts und Feuers, der Hebammen und Heiler. Sie löst die dunkle Göttin Percht (Frau Holle) ab und erweckt das Feuer der Sonne nach der langen Winterruhe. Sie reitet mit weiten Sprüngen auf einem Hirsch durch den Wald, hinter ihr erwachen Samen und Bäume, die Heilpflanzen erhalten ihre heilenden Kräfte. Die weiten Sprünge des Sonnenhirsches symbolisieren die merkbar länger werdenden Tage. Mit ihr steigen Elementarwesen und Fruchtbarkeitsgeister aus der Erde – Imbolc ist neben des Festes des Lichtes auch das der Fruchtbarkeit.

Der Bär als Zeigertier

Eines dieser Elementarwesen ist der Bär. In Zeiten, als die Menschen auf die genaue Beobachtung der Natur angewiesen waren, waren bestimmte Zeigerpflanzen und -tiere (lest hier mehr zum Thema Phänologie) wichtig, um die nächsten landwirtschaftlichen Schritte zu planen. Auch das Erscheinen des Bäres galt damals als wichtiges Zeichen dafür, ob der Frühling bald eintreten würde. An Imbolc reckt der Bär zum ersten Mal die Nase aus seiner Höhle. Wenn es ihm jedoch zu hell ist, dann legt er sich für einige weitere Wochen in den Schlaf und der Frühling wird spät kommen.  Dieser Glauben spiegelt sich auch in vielen Bauernregeln zum Eintritt des Frühlings wieder:

Ist’s zu Lichtmess mild und rein wird’s ein langer Winter sein.

Lichtmess-Sonnenschein bringt großen Schnee herein.

Scheint zu Lichtmess die Sonne heiß, gibt’s noch sehr viel Schnee und Eis.

Wenn’s an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit; ist es aber klar und hell, kommt der Lenz wohl nicht so schnell.

Quelle:Culnacreann, Saint Brigid’s cross, CC BY 3.0

Wie kann man Imbolc feiern?

Die Tradition der Imbolc-Festlichkeiten war aus gut nachzuvollziehenden Gründen tief verankert in den naturverbundenen Völkern, die auf die genaue Beobachtung der Jahreszeiten angewiesen waren. Auch die Christianisierung der heidnischen Völker konnte das Brauchtum um Imbolc nicht verhindern. So findet man an vielen Orten noch Traditionen wie das Wachrütteln von Obstbäumen oder das Anzünden aller Lampen im Haus, die abseits der christlichen Lichtmess-Bräuche den wahren Ursprung dieses wunderschönen Feiertages zeigen.

Wenn ihr auch gern Imbolc am 1.Februar als Beginn der neuen Gartensaison feiern möchtet, könntet ihr beispielsweise als Symbol der länger werdenden Tage den Garten mit Windlichtern oder Fackeln schmücken oder ein Freudenfeuer entzünden. Wenn euch der Mythos von Brighid gefällt, wäre es eine schöne Idee Brighid-Kreuze zu flechten. Diese Kreuze hängt man an Türen und Toren auf und wer hinunter durchgeht, dem bringen sie Glück für das Jahr. Eine Anleitung zum Flechten findet ihr hier.

Mein kleines Imbolc-Ritual

Ich möchte diesem Tag dieses Jahr zum ersten Mal mehr Beachtung schenken. Ich finde den Gedanken wunderschön, die großen und kleinen Wunder der Natur zu feiern. Das Wachrütteln meiner Obstbäume steht ganz oben auf der To Do-Liste für Imbolc. Vielleicht hat ihnen das ja in den letzten Jahren gefehlt, um ein paar Früchte anzusetzen. Einen Versuch ist es allemal Wert. Ich bin außerdem gespannt, wie viele Spuren des nahenden Frühlings ich im Garten finden werde. Den Tag werden wir durch viele entzündete Kerzen im Haus und auf der Terrasse symbolisch verlängern und mit den Kindern möchte ich das ein oder andere Brighid-Kreuz basteln.

Es gibt je nach Region viele weitere Bräuche, die mit Imbolc oder Lichtmess in Verbindung stehen. Kennt ihr auch solche Bräuche oder habt ihr vielleicht sogar selber ein Ritual, um den Frühling zu begrüßen? Schreibt mir gern, ob und wie ihr diesen Feiertag angeht, ich freue mich auf eure Kommentare!

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