Das Gartenjahr

Experiment: Frühe Anzucht im Gewächshaus

Melanie507 Leser

Dieser ständig gefrorene Boden macht mich fertig. Nichts kann man im Garten machen, nicht einen Spatenstich, geschweige denn irgendetwas ernten. Nicht mal unerwünschte Pflänzchen lassen sich aus den Beeten entfernen, man muss sie da einfach so hinnehmen. Trotzdem kann mich nichts von meinen Streifzügen durch den Garten abhalten und so habe ich auf der Suche nach Gartenarbeit entdeckt, dass obwohl alles drum herum in Kälte erstarrt ist- das Gewächshaus schon mollig warme Temperaturen aufweist. Ein paar Tage Sonnenschein haben gereicht, um die Luft aufzuheizen und den Boden warm und bearbeitbar zu machen. Das habe ich sofort ausgenutzt und aus den Kompostern frische schwarze Erde geholt und auf dem Gewächshausboden verteilt (dass die Erde in den Kompostern nicht gefroren war, ist übrigens ein ganz tolles Zeichen dafür, dass die Kompostierung einwandfrei funktioniert).

Das ganze Jahr Gemüse ernten

Nun fristete mein Gewächshaus in den letzten Jahren ein eher kurzes Saisonleben, habe ich es doch bisher ausschließlich zum Anbau von Tomaten und Gurken genutzt. Nun habe ich mich aber in den letzten Wochen intensiv mit dem „Year-round Gardening“ beschäftigt, also dem Anbau von Gemüse in allen vier Jahreszeiten. Besonders ein großartiges Buch von Niki Jabbour „The Year Round Veggie Gardener“ hat es mir dabei angetan. Niki hat es durch die geschickte Auswahl von Gemüsesorten und der Verwendung verschiedener Schutzmaßnahmen für ihre Pflanzen geschafft, die Jahreszeiten in ihrem kanadischen Garten um Wochen zu verlängern, so dass sie das gesamte Jahr über frisches, selbstgezogenes Gemüse ernten kann. Und das sogar bei meterhoher Schneedecke!

Dann starten wir mal ein Experiment

Die Lektüre hat meinen Ehrgeiz gepackt und mich von der Couch hochgetrieben. Nun war es für den Anbau von Wintergemüse natürlich schon zu spät, aber die „Wieder“-Entdeckung meines warmen Gewächshauses brachte mich auf die Idee, dieses Jahr besonders früh mit der Aussaat robuster und kältegeeigneter Pflanzen zu beginnen –nämlich im Gewächshaus, dass ich ja nun schon besitze. Das Ganze hat natürlich Experimentiercharakter, da ich noch nicht absehen kann, ob und welche Pflanzen schon Ende Januar gedeihen werden. Ich besitze noch kein Thermometer für das Gewächshaus, kann also nur schätzen, wie warm oder kalt es dort dank der Wintersonne sein wird. Auch meine Samen habe ich, als ich sie vor Wochen bestellt habe, nicht nach solchen Kriterien ausgesucht. Es wird also sehr sehr spannend ob und wie gut die Winteraussaat gelingen wird.

Kandidaten für die Frühaussaat

Ich habe mich zunächst für die Pflanzen entschieden, die laut Packung schon im März im Freiland gesäet werden können. Warum sollen sie unter Glas nicht genauso gut einen Monat früher gedeihen? Ich habe mich entschieden für

  • Kohlrabi Azur Star
  • Haferwurz
  • Rotkohl Red Express
  • Rote Beete Golden
  • Pastinake White Gem
  • Kopfsalat Skipper
  • Eichblattsalat Cerbiatta
  • Möhre Jaune du Doubs
  • Möhre Cosmic Purple
  • Spinat Butterlay
  • Spinat Gamma und
  • eine Radieschen Mischung

Diese Gemüsesorten gehen alle auch sehr gut zusammen in der Mischkultur und werden bis die Tomaten dran sind schon zum größten Teil abgeerntet sein. Ich habe das Beet der Übersicht halber  in kleine Abschnitte eingeteilt, um genau sehen zu können, welche Pflanze wann wie gut wächst. Gerade die kleinen Sämlinge sind anfangs kaum voneinander zu unterscheiden. Und schließlich möchte ich genau testen, ob sich die Sorten für den Gewächshausanbau im Januar eignen.

Hier übrigens ein kleiner Recycling-Tipp: Zu Silvester kommen bei uns in den Gärten zahlreiche Raketenstöcker vom Himmel. Meine Nachbarn haben diese geistesgegenwärtig gesammelt und mir überlassen. So konnte ich sie in kleinere Stöckchen teilen und diese zur Befestigung des Gartenzwirns verwenden.

Feucht und gemütlich warm

Nachdem ich die Samen ausgesät und –bis auf die Salatsamen- mit Erde bedeckt habe, fiel mir auf, dass sämtliches Wasser im Garten wegen des Frosts natürlich abgestellt ist. Also hab ich in mühsamer Feinstarbeit mit einer Spritzflasche gemütlich warmes Wasser auf den Boden gehaucht. War insgesamt nicht mehr als ein halber Liter für die Fläche von 4 m², mal sehen ob das reichen wird die Samen zum Keimen zu bewegen. Ich hab auf jeden Fall den Tropfschlauch wieder installiert und sobald es nicht mehr so kalt ist, werde ich die Wasserpumpe wieder in Betrieb nehmen.

Damit das bisschen kostbare Feuchtigkeit nicht sofort verraucht, habe ich das Beet mit Stroh abgedeckt. Jetzt sollten es die kleinen Samen eigentlich feucht und warm haben. Ich muss nur daran denken regelmäßig nach den Sämlingen zu schauen, um die Strohdecke zu entfernen sobald sich ein grünes Köpfchen zeigt. Sonst laufe ich Gefahr, dass mir die jungen Pflänzchen schimmeln oder schlicht und einfach kein Licht abbekommen, vergeilen und schwach und dünn werden.

Und bei euch so?

Seid ihr auch so gespannt wie ich, ob das funktionieren wird? Habt ihr auch schon erfolgreich Gemüse im Winter gezogen oder mit den Jahreszeiten experimentiert?

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